26. September 2024

Boris Meyn: Der blaue Tod

Beim Tai Chi liegen manchmal Bücher , die abgegeben werden. Da fand ich auch dieses: Einen Krimi, der in 1862 Hamburg spielt. Als ehemalige Einwohnerin der Stadt (und Krimifan) freute ich mich schon darauf.

Der Plott um den Anwalt Sören Bischop war recht gut gestrickt. Der Hinweis auf echte Hamburger Größen war gut nachvollziehbar. Das politische und gesellschaftliche Geschehen zu der Zeit in Hamburg war auch gut umrissen. Es stellte sich aber heraus, daß die titelgebende Epidemie eher Beiwerk eines gänzlich anderen Handlungsstranges war. Die Brisanz der damaligen nachweislichen (!) Fehlentscheidungen kommt fast nur im Nebensatz heraus.

Mir fehlte ein Glossar in diesem Buch, in dem doch einige Hafen- bzw. Hamburgspezifische Ausdrücke ohne weitere Erklärung benutzt wurden. Ich habe also sehr viele Begriffe, die mir teilweise doch schon bekannt waren, sicherheitshalber nachgeschlagen. So wurden dort namentlich die Berufe folgender Hafenarbeiter aufgeführt: „Festmacher“, „Schauerleute“, „Stauer“ und „Tallymann“. Stauer und Schauerleute sind allerdings ein- und derselbe Beruf (das wäre anhand eines Glossars sowohl dem Autoren als auch dem Lektoren aufgefallen) und Tallymann war gerade speziell in Hamburg der Quartiermann (ein Begriff, den ich aus anderen historischen Hamburg-Krimis durchaus schon kannte). Der Autor erwähnt auf der Alster liegende „Dinghis“, wobei meines Wissens in Hamburg eher nur „Jollen“ unterwegs waren. Den Begriff „Udl“ für einen Hamburger Polizisten konnte ich nicht so simpel recherchieren, da Wkipedia eher den Begriff „Udel“ kennt. Auch die erwähnten Terassensiedlungen wären deutlicher geworden anhand einer kleinen Zeichnung/Darstellung ebenso die Kettenschiffe, die das ältere Treideln ablösten. Und das Wort „insinuieren“ konnte ich mir ohne weiteres trotz kleinem Latinum nicht wörtlich erschließen. Die eingefügten Fotos zur Ausstattung der Desinfektionskolonnen und Krankenhäuser zur Zeit der Choleraepidemie in dem Jahr in Hamburg waren durchaus erhellend, aber ich fand sie ein wenig lieblos ausgewählt, zumal viele Fotos dasselbe nur aus etwas anderem Winkel zeigten und somit wenige neue Erkenntnisse brachten. Ein Goodie wäre auch ein historischer Stadtplan gewesen …

21. September 2024

Ursula Poznanski: Oracle

Nach dem Kauf von „Scandor“ derselben Autorin fiel mir auf, daß mir dieser Band auch noch in der Sammlung fehlt (ja, Ursula Poznanski schreibt so, daß ich die meisten Bücher gut finde – man mag ihren Stil oder eben nicht). Auch dieses Buch war nach weniger als 20 Stunden durchgelesen …

Ein junger Mann hatte in seiner Schulzeit auf der Regelschule Probleme, weil er an Menschen um ihn herum verstörende, beängstigende Dinge sah und daraufhin Panikattacken entwickelte. Mithilfe von Therapie, Psychopharmaka und einem Schulwechsel schafft er immerhin einen Schulabschluß, die verstörenden Dinge verschwinden und er kann nun den Schritt in ein Studium wagen. Gleichzeitig zieht er von zu Hause aus in ein Studentenwohnheim – allerdings an die Bedingung geknüpft, seine Therapie weiter zu machen.

Ein Test, ob die Zeichen wirklich weg sind, ist ein Klassentreffen. Dabei sieht er eine Klassenkameradin wieder, deren Beine er damals nur verschwommen sehen konnte, die jetzt im Rollstuhl sitzt. Das macht ihn nun doch stutzig und die vorher geäußerte Idee seines Mitbewohners, die Tabletten vielleicht wegzulassen, wird jetzt auch von ihm in Betracht gezogen.

9. September 2024

Ursula Poznanski: Cryptos

Angefixt vom Poznanski-Fieber fiel mir dieser Band als bisher ungelesen wieder ein.

In einer Zukunft unserer kaputten Erde, in der die meisten Menschen sich täglich in die virtuelle Realität begeben, gibt es nur wenige Personen, die ihr tägliches Leben in der unwirtlichen Umgebung leben, u.a. die Weltenschreiber (Programmierer) – angebunden an ein Unternehmen, das auch die Versorgung der Menschen sicherstellt.

Die Protagonistin, eine sehr talentierte junge Weltenschreiberin, bemerkt in einer ihrer Welten Unregelmäßigkeiten und begibt sich zum Aufklären in dieselbe. In ihrer virtuellen Welt begegnen ihr Dinge, die sie nicht programmiert hat. Sie erstattet Meldung an ihre Vorgesetzte – und damit beginnen mehr oder weniger ihre realen Probleme, ausgelebt in der virtuellen Realität. Viele Dinge, die die Menschen schützen sollen, funktionieren für sie nicht mehr. Es wird immer schwieriger und vor allem gefährlicher, die Hintergründe zu erkunden, ja ein Wettlauf auf Leben und Tod stellt sich ein.

Wer wo welche Fäden warum zieht – und wie die Dilemmata gelöst werden, bleibt das ganze Buch über spannend.