Der Plott um den Anwalt Sören Bischop war recht gut gestrickt. Der Hinweis auf echte Hamburger Größen war gut nachvollziehbar. Das politische und gesellschaftliche Geschehen zu der Zeit in Hamburg war auch gut umrissen. Es stellte sich aber heraus, daß die titelgebende Epidemie eher Beiwerk eines gänzlich anderen Handlungsstranges war. Die Brisanz der damaligen nachweislichen (!) Fehlentscheidungen kommt fast nur im Nebensatz heraus.
Mir fehlte ein Glossar in diesem Buch, in dem doch einige Hafen- bzw. Hamburgspezifische Ausdrücke ohne weitere Erklärung benutzt wurden. Ich habe also sehr viele Begriffe, die mir teilweise doch schon bekannt waren, sicherheitshalber nachgeschlagen. So wurden dort namentlich die Berufe folgender Hafenarbeiter aufgeführt: „Festmacher“, „Schauerleute“, „Stauer“ und „Tallymann“. Stauer und Schauerleute sind allerdings ein- und derselbe Beruf (das wäre anhand eines Glossars sowohl dem Autoren als auch dem Lektoren aufgefallen) und Tallymann war gerade speziell in Hamburg der Quartiermann (ein Begriff, den ich aus anderen historischen Hamburg-Krimis durchaus schon kannte). Der Autor erwähnt auf der Alster liegende „Dinghis“, wobei meines Wissens in Hamburg eher nur „Jollen“ unterwegs waren. Den Begriff „Udl“ für einen Hamburger Polizisten konnte ich nicht so simpel recherchieren, da Wkipedia eher den Begriff „Udel“ kennt. Auch die erwähnten Terassensiedlungen wären deutlicher geworden anhand einer kleinen Zeichnung/Darstellung ebenso die Kettenschiffe, die das ältere Treideln ablösten. Und das Wort „insinuieren“ konnte ich mir ohne weiteres trotz kleinem Latinum nicht wörtlich erschließen. Die eingefügten Fotos zur Ausstattung der Desinfektionskolonnen und Krankenhäuser zur Zeit der Choleraepidemie in dem Jahr in Hamburg waren durchaus erhellend, aber ich fand sie ein wenig lieblos ausgewählt, zumal viele Fotos dasselbe nur aus etwas anderem Winkel zeigten und somit wenige neue Erkenntnisse brachten. Ein Goodie wäre auch ein historischer Stadtplan gewesen …